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People | 11.02.2019

Wir sind eigentlich sehr unromantisch

Thomas Stipsits ist im Kino als „love machine“ zu sehen, Katharina Straßer brilliert als Cissy Kraner. Daneben meistert das Paar das Familienleben mit zwei Kindern.

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Power-Paar: Thomas Stipsits, Kabarettist, Schauspieler sowie Drehbuchautor, und Katharina Straßer, Schauspielerin und Moderatorin, sind seit 2014 verheiratet. © Ludwig Schedl

Sie sind vielseitig, erfolgreich und vor allem erfrischend. Die Rede ist von Katharina Straßer und Thomas Stipsits, die nicht nur regel­mäßig in TV-Serien bzw. Sendungen – wie u. a. in „Was gibt es Neues?“ – mitwirken, sondern auch mit Kinofilmen und Soloprogrammen begeistern. Er, der 35-jährige Auto­didakt aus der Steiermark, als Callboy in der Kinokomödie „Love Machine“ (ab Anfang Februar) – in der es übri­gens auch eine kurze, gemeinsame Szene mit seiner (damals hochschwangeren) Ehefrau gibt –, sie, die 34-jährige Schauspielerin aus Tirol mit ihrem „­Alles für’n Hugo – Katie Straßer ist Cissy Kraner!“-Abend (Premiere am 27. Februar im Rabenhof).


Treffpunkt Café Aumann in Währing. Und es kommt, wie zu erwarten: Dieses Paar zu interviewen ist Vergnügen pur, denn beide sind so herrlich ungekünstelt, sprudelnd und geerdet, dass man sie einfach gernhaben muss. Dabei gestehen sie, dass sie im Moment sehr wenig schlafen – Tochter Lieselotte ist fünf Monate alt und Sohn Emil viereinhalb und ein wahres Energiebündel – und alles genauer Zeiteinteilung bedürfe. Dennoch: Premiereabende feiern sie stets gemeinsam.

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Natürlich wollte ich Katharina sofort heiraten. Wer will das denn nicht? © Allegro Film

look: In „Love Machine“ spielen Sie Georgy Hillmaier, einen Mann für ­gewisse Stunden. Eine Rolle, wie für Sie geschrieben?

Katharina Straßer: Es gab da ein lustiges Casting ... (lacht).

Thomas Stipsits: ... wo man zeigen musste, was man hat, und da hatte die Konkurrenz keine Chance (lacht). Nein, es war vielmehr so, dass mich Regisseur Andreas Schmied – den ich schon länger kenne – anrief, mir von dem Drehbuch erzählte und meinte, dass er den Film machen möchte, aber nur mit mir. Und da ich die Geschichte ebenso spannend fand und wusste, dass es keine Sexklamotte werden soll, habe ich zugesagt. Wir sind auch sehr behutsam vorgegangen.

 


Wie meinen Sie das?

Stipsits: Wir haben im Vorfeld viel geprobt, auch mit den Darstellerinnen, weil es ja doch ein paar Sexszenen gibt. Und unsere Ansprüche waren, das Thema Sexualität so sinnlich wie möglich darzustellen, ohne billigen Beigeschmack. Der Film heißt ja auch „Love Machine“ und nicht „Sex Machine“. Das ist die Kernaussage. Ein Mann, der seinen Körper anbietet, obwohl er nicht dem entspricht, wie man sich einen Callboy vorstellt. Also schlank und durchtrainiert wie etwa Manuel Rubey.

 


Wie geht es Ihnen, wenn Sie Ihren Mann in einer heißen Szene – wie etwa mit Claudia Kottal – sehen?

Straßer: Das weiß ich noch nicht, denn ich habe den Film noch nicht gesehen, aber mit der Claudia ist das okay (beide lachen). Außerdem hat mir Thomas immer wieder versichert, dass alles abgepickt ist. Solche Szenen sind das Unromantischste, das man sich vorstellen kann, sagt zumindest Thomas.

Stipsits: Das stimmt. Eine Sexszene ist bei weitem nicht so intim wie eine Kussszene. Der Sex ist gefakt, aber ­einen Kuss kannst du nicht faken.

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Herzlich: Straßer und Stipsits beim Interview. Gelacht wird viel, aber zu Hause steht in erster Linie Top-Organisation auf dem Programm, und weniger die Gaudi. © Ludwig Schedl

Im Film degradieren die Frauen den Mann zum Sexobjekt. Wie fühlt man sich als Mann dabei?

Stipsits: Ich habe mich in der Rolle nie als Sexobjekt gesehen, weil Georgy Hillmaier ja vorwiegend ältere Kundinnen hat, bei denen es nicht immer zum Geschlechtsverkehr kommt, sondern oft geht es nur um Streicheleinheiten, Zärtlichkeit und Nähe. ­Natürlich muss er tun, was die Kundin verlangt, aber es gefällt den Frauen auch, dass er sie nicht bewertet oder verurteilt und manchmal einfach nur zuhört. So kann er auch erkennen, was wirklich zählt im Leben, und um seine Freundin kämpfen.

 

Sie spielen im Film eine etwas verrückte, hochschwangere Esoterikerin, die zwar Lust auf Sex hat, den Callboy aber dann zuerst einmal zum Moxen auffordert ...

Straßer: Dieses Moxen in der Anfangsszene haben wir tatsächlich bei unserem ersten Kind auch gemacht. Auf Anraten der Hebamme, um das Baby zu drehen, weil es falsch gelegen ist. Gemoxt wird mit einer speziellen Zigarre, mit der man jede Zehenspitze so lange berührt, bis sie ganz heiß wird. Damit werden Punkte stimuliert und das Kind dreht sich. Beim Emil hat’s wirklich geholfen.

 


Ab Ende Februar präsentieren Sie im Rabenhof einen Cissy Kraner-Abend. Ein reiner Liederabend?

Straßer: Nein, es ist vielmehr ein Stück, das ich gemeinsam mit Regisseur Andy Hallwaxx und Dramaturgin Karin Sedlak erarbeitet habe. Ich bin im Himmel, feiere meinen 1o1. Geburtstag – den Cissy ja heuer im Jänner auch hätte –, und man hat mir eine Party mit Farkas, Waldbrunn und allen anderen versprochen. Ein richtiger Theaterabend, bei dem natürlich viel gesungen wird.

 

Und warum Cissy Kraner?

Straßer: Zum einen, weil sie mir schon immer getaugt hat, und zum anderen, weil ich schon lange den Liederabend „Wien für Anfänger“ mit Bela Koreny und Wolf Bachofner gestalte, an dem ich zwei ihrer Chansons singe. Eines Tages meinte dann Karin Sedlak, die Kraner noch persönlich kannte,
ich müsse einen Cissy Kraner-Abend ­machen. Und seit genau einem Jahr ­arbeite ich an diesem Programm.

 

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Traumpaar: Im April vergangenen Jahres bei der Romy-Gala in der Hofburg. Etliche Monate später kam Lieselotte zur Welt. © picturedesk.com

Wie geht sich das alles aus? Sie ­arbeiten sehr viel, daneben zwei kleine Kinder?

Straßer: Wir haben ein tolles Team von Omas, Opas und Kindermädchen um uns. Mein großes Ziel ist außerdem, dass wir es schaffen, nicht mehr gleichzeitig so viel zu arbeiten.

Stipsits: Im vergangenen Jahr habe ich schon einiges abgesagt, weil ich eben mehr Zeit mit den Kindern ­verbringen möchte ... Katharina ist ein richtiges Organisationstalent. Sie schreibt ganz exakte Pläne.

Straßer: Ja, sämtliche Termine werden monatlich notiert und alle Fami­lienmitglieder sowie der Babysitter erhalten diesen Plan.

 


Am 14. 2. ist Valentinstag. Ein Tag, den Sie speziell zelebrieren?

Straßer: Nein, mir ist das auch zu blöd, an einem bestimmten Tag feiern zu müssen. Wir sind eigentlich sehr unromantisch (lacht). Das Absurde ist, dass wir es schön finden, nicht auszugehen, sondern daheim zu sein. Und das Geilste war vor kurzem nach einer „Was gibt es Neues?“-Aufzeichnung: Der Bub beim Opa, die Kleine hat ­geschlafen, wir haben etwas zu essen ­bestellt und sind im Pyjama vorm Fernseher gelegen. So alt sind wir mittlerweile schon! (Beide lachen.)

Stipsits: Wenn man dauernd unter Menschen ist, dann tut Zweisamkeit daheim sehr gut.

 


Das Ende des Kinofilms überrascht ziemlich. Zwei Menschen finden zueinander, deren Bedürfnisse sich decken, und somit passt es ...

Stipsits: Eine sehr einfache, aber sehr wahre Message. Die leichten ­Dinge sind allerdings oftmals sehr schwierig. 

 

Text: Andrea Buday