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People | 08.12.2020

Kategorie „DIGITAL HERO“: Anna Iarotska, Gründerin und CEO von „Robo Wunderkind“

Die Betriebswirtin Anna Iarotska machte aus ihrem Start-up „Robo Wunderkind“ ein florierendes Unternehmen. Der Baukasten für kleine Roboter – mittels dessen Kinder spielend und mit Spaß schon früh das Programmieren lernen können – wird mittlerweile in die ganze Welt verkauft. Das Interview. (Kategoriepartner: Wien Holding)

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© Stefan Diesner

„Die Angst zu scheitern, sollte uns nicht abhalten, etwas Neues zu versuchen!“

look!: Was bedeutet Ihnen der Preis in der Kategorie „Digital Hero“?
Anna Iarotska: Ich fühle mich sehr geehrt, diesen Preis gewonnen zu haben. Ein Digital Hero ist für mich jemand, der sich für mehr digitale, technologische Bildung einsetzt, um die Gesellschaft als Ganzes zu verbessern. In meinem Fall möchte ich Kindern dabei helfen, zu sehen wie aufregend und spaßig das Lernen digitaler Fähigkeiten wie das Programmieren sein können.

Sie haben „Robo Wunderkind“ 2014 als Start-up gegründet. Ihre Firma stellt Baukästen für kleine Roboter her, mit deren Hilfe Kinder schon früh das Codieren lernen sollen. Das Motto ist „Coden lernen mit Spiel und Spaß – Bau deinen Roboter. Programmiere. Lerne durch Spielen“. Wie kamen Sie auf diese Idee bzw. was war die Initialzündung?

Ein Jahr vor der Gründung Robo Wunderkinds besuchte ich das Pioneers Festival in Wien, ich fühlte mich von den vielen  großartigen technologischen Innovationen inspiriert und realisierte, wie viele Möglichkeiten es innerhalb des Tech-Gebiets gibt. Zufälligerweise traf ich auf dem Festival auch auf meinen Mitbegründer, Rustem Akishbekov. Er hatte die Idee einen Roboter zu entwickeln, den jeder bauen könnte. Nach nächtlichen Recherchen und der Erkenntnis, dass es bereits diverse MINT-Initiativen weltweit gab, kam ich zu dem Entschluss, dass wir eine tolle Idee hatten, die es wert war, sie auszuprobieren.

Sie sind studierte Betriebswirtin. Warum haben Sie sich schließlich für den Technikbereich entschieden?

Ich habe BWL studiert, weil es ein Bereich ist, der leicht übertragbar ist. Als Kind und Heranwachsende hatte ich keine Vorbilder, die mir die Möglichkeiten der Tech-Branche aufzeigen konnten. Ich ließ mich tatsächlich während des Pioneer Festivals von dieser Branche inspirieren. Ein Unternehmen, das dort vor Ort war, bot Satelliten zur Vermietung an, damit Schulklassen diese zum Erforschen des Weltalls nutzen konnten. Ich war von den Varianten der Technologie und den Möglichkeiten, die sie eröffneten, begeistert.

Mittlerweile haben Sie bei „Robo Wunderkind“ 14 MitarbeiterInnen. Wie haben Sie es geschafft, aus einem Start-up ein florierendes Unternehmen zu machen?

Unser Schlüssel war für uns unser Product-Market Fit. Programmieren, Kreativität, Teamarbeit und Technologie verstehen sind alles Fähigkeiten, die für die nächsten Generationen relevant sein werden. Pädagogen und Eltern versuchen Lösungen zu finden, die dabei helfen, diese entscheidenden Kompetenzen zu erlernen. Robo Wunderkind trägt zu dieser Lösung bei, indem Kinder diese Kompetenzen beim Spielen in der Schule oder zu Hause erlangen können. Wir sind bei diesem Problem, das viele Länder versuchen zu lösen, erfolgreich. Deshalb haben wir nicht nur in Österreich, sondern weltweit eine Nachfrage gesehen.

Was ist Ihr Part in der Firma?

Ich bin CEO und verantwortlich dafür, dass unser Geschäft reibungslos läuft und unsere Kunden mit der Hilfe meines tollen Teams zufrieden sind. An manchen Tagen unterstütze  ich unser Produktteam bei ihrem Fahrplan, welche Aktualisierungen wir an unseren Roboter Baukästen vornehmen könnten. An anderen Tagen spreche ich mit der Presse über Robo Wunderkind, um unser Produkt bekannt zu machen und zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, dass Kinder programmieren lernen.

Haben es Frauen in der Start-up-Branche – und vor allem im Technik-Bereich – noch immer schwerer als Männer bzw. gibt es da eine Geschlechtergerechtigkeit?

Leider sind immer noch weniger Frauen als Männer im Bereich der Start-ups und Technologie vertreten. Im europäischen Start-up-Raum gibt es nur etwa 14 Prozent weibliche Gründerinnen. In Österreich ist diese Prozentzahl mit sieben Prozent weiblicher Gründerinnen noch niedriger. Es kann besonders für weibliche Gründerinnen aufgrund des Gender Bias eine Herausforderung sein, eine Finanzierung für ihre Start-ups zu erhalten. Ich bin zuversichtlich, dass sich dies ändern wird, da es inzwischen viele Initiativen gibt, die Frauen beim Start und Wachsen ihres eigenen Unternehmens unterstützen.

Was raten Sie Frauen, die ein Start-up gründen wollen?

Offen für unterschiedliche Erfahrungen zu sein und zu wissen, dass Fehler machen Teil des Prozesses ist. Wie oft wollen wir etwas nicht angehen, nur weil wir Angst davor haben, dass wir nicht alle Antworten haben oder gar scheitern. Dieses Gefühl ist normal und etwas, das dich nicht davon abhalten sollte, es zu versuchen.

Corona-Krise und Lockdown – sehen Sie darin auch Chancen?

Es ist auf jeden Fall ein herausforderndes Jahr, aber ich glaube, dass es auch eine gute Gelegenheit ist, um sich zu entwickeln. Die Pandemie hat zu tiefgreifenden Veränderungen im Kaufverhalten der Konsumenten beigetragen – die offensichtlichste darunter ist die beschleunigte Annahme von E-Commerce, was uns dazu gezwungen hat, Kaufinteressenten unseres Produktes und ihrem Erlebnis bei uns noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Welche Länder sind die größten Abnehmer Ihrer kleinen Roboter?

Wir haben Kunden aus der ganzen Welt, die meisten Käufer kommen allerdings aus den USA, Großbritannien und natürlich Deutschland und Österreich.

Sollte es „Robo Wunderkind“ in jeder Schule geben?

Ich denke, dass es ein guter Anfang wäre, um Schulen bei der Modernisierung zu helfen. Robo Wunderkind kann Schulen dabei unterstützen ein interaktiveres, projektbasiertes Lernumfeld zu schaffen. Kinder können die Vorteile der Teamarbeit erleben, gemeinsam an ihren Robotern bauen und gleichzeitig programmieren lernen! Ich hoffe, dass Pädagogen mit  unseren Robotik-Baukästen den Effekt des „Learning by doing”-Lehransatzes erkennen können.

Sie sind in der Nähe von Kiew in der Ukraine aufgewachsen. Warum sind Sie zum Studium ausgerechnet nach Wien gekommen – und haben hier auch Ihre Firma gegründet?

Mein Leben lang habe ich immer nach neuen Erfahrungen und Möglichkeiten Ausschau gehalten, die mir helfen würden, zu wachsen. Deshalb zog ich für ein Auslandssemester erst nach Deutschland, um die Sprache zu lernen. Dann ging ich an die Wirtschaftsuniversität in Wien. Ich liebte die Stadt und besonders die wachsende Start-up-Szene. Als Teil von Impact Hub und des Pioneers Festival traf ich in Wien auf viele inspirierende Menschen. Daher war es für mich nur selbstverständlich, dass ich mein Start-up in Wien gründen würde. 

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Dass mehr als eine Millionen Kinder mit Robo Wunderkind spielen. Momentan sind es etwa mehr als 50.000 Kinder.

Fake-News sind im Silicon Valley am 1. April gang und gäbe. Sie haben am 1. April einmal gescherzt, dass Sie Ihr Unternehmen um 120 Millionen Euro an Lego verkauft haben. Welchen Scherz würden Sie heute gern machen?

Ein Kind hat sich mithilfe von Robo Wunderkind in das SpaceX-Kontrollzentrum gehackt, um die Stimme des Countdowns zu übernehmen. – Wir würden es lieben, wenn ein Kind, das mit Robo Wunderkind aufgewachsen ist, das SpaceX Kontrollzentrum leiten würde. Momentan ist das nicht die Realität, aber wir hoffen, dass etwas Derartiges eines Tages wahr wird. Wir möchten, dass sich Kinder mit Robo Wunderkind von Technologie inspirieren lassen und unterstützt werden – wohin ihre Vorstellungskraft auch führt.