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People | 10.12.2020

Kategorie "Enterprising Vision": Manuela Födinger, Labormedizinerin

Primaria Univ. Prof. Dr. Manuela Födinger hat mit ihrem Team den Corona-Gurgel-Test entwickelt. Die Vorständin des Instituts für Labordiagnostik der Klinik Favoriten forscht jetzt an einem „Lutschertest“ für Kinder, die noch nicht gurgeln können. Das Interview. (Kategoriepartner: ING Bank Österreich)

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© Stefan Diesner

Die Entwicklerin des Corona-Gurgel-Test:

„Es ist unverändert wichtig, zu testen, um Positive identifizieren und isolieren zu können“

look!: Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung im Rahmen der „Women of the Year“-Gala?

Manuela Födinger: Riesengroße Freude, da ich damit die Gelegenheit habe, eine Auszeichnung stellvertretend für die vielen Menschen entgegennehmen zu dürfen, die geholfen haben, die COVID-19 Labordiagnostik aufzubauen und weiterzuentwickeln.

Sie waren federführend an der Entwicklung des „Gurgel-Tests“, der COVID-19-Test-Methode, beteiligt. Was war besonders spannend an der Entwicklung/Erforschung?

Die Austestung der verschiedenen Gurgel-Lösungen und der Gurgel-Sets und dann vor allem jene Momente, an denen die Resultate vorlagen.

Es heißt, Sie arbeiten an einem sogenannten Lutschertest für kleinere Kinder, die noch nicht gurgeln können.  Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Diese Studie findet in 2 Phasen statt. In der ersten Phase werden verschiedene „Lutscher“-Systeme bei Erwachsenen ausgetestet. Das am besten geeignete wird in der Phase 2 bei Kindern eingesetzt. Wir befinden uns derzeit in der Phase 1.

Bedarf es überhaupt weiterer Test, wo doch angeblich bereits in wenigen Wochen mit einer Durchimpfung der Bevölkerung begonnen werden soll?

Ja – natürlich bedarf es weiterer Tests. Es wird noch dauern, bis die Bevölkerung durchgeimpft ist. Es ist daher unverändert wichtig, zu testen, um Positive identifizieren und isolieren zu können, um damit wiederum die Ausbreitung einzudämmen.

Sie sind die Vorständin des Instituts für Labordiagnostik am Kaiser-Franz-Josef-Spital KFJ (Klinik Favoriten) und arbeiten mit Ihrem Team normalerweise abseits der Öffentlichkeit im Hintergrund. Das Corona-Virus, der Gurgel-Test, hat Sie vor den Vorhang geholt. Was bedeutet Ihnen öffentliche Anerkennung?

Mir liegt es so gar nicht, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Ich liebe Laborexperimente und die wissenschaftliche Zusammenarbeit – dafür braucht es Ruhe und Konzentration. Dass nun aber die großartigen Leistungen unseres Laborteams im KFJ gesehen werden, dafür bin ich zutiefst dankbar – Sie können sich gar nicht vorstellen, wie flexibel und belastbar das Team seit Ende Februar sein muss: stetig tauchen neuen Fragestellungen und Technologien auf, die untersucht werden müssen – das KFJ-Team ist Weltklasse!!

Ist es nicht frustrierend, stets im Hintergrund zu agieren, obwohl sie essenziell wichtige Dinge – oft Lebens- und Überlebenswichtiges – für die Menschen leisten?

Mir geht es immer um die Sache und arbeite am Liebsten im Hintergrund. Die größte Freude ist es, wenn wir im Team gemeinsam Antworten auf Fragen oder Lösungen für Probleme finden.

Zu Ihrem Werdegang: Was hat Ihr Interesse an Medizin und Wissenschaft geweckt – wann und warum haben Sie beschlossen, Medizin zu studieren?

Meine Mutter ist in jungen Jahren schwer erkrankt – ich wollte die Ursache verstehen – seitdem begleiten mich Medizin und Wissenschaft und die Frage nach dem „Warum ist das so?“.

Was bedeutet eine Pandemie für Sie als Wissenschaftlerin?

Eine Herausforderung, die uns alle betrifft. Es reicht nicht, wenn WissenschaftlerInnen auf Hochdruck arbeiten und für Wahrheiten sorgen und diese Wahrheiten „verpuffen“. Die Erkenntnisse müssen verstanden werden und in die Köpfe aller, damit die Maßnahmen zur Eindämmung einer Pandemie auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Forschung von jedem/jeder Einzelnen befolgt werden.

Woran arbeiten Sie derzeit?

Unser Laboralltag ist derzeit voll mit Untersuchungen zur Qualität von SARS-CoV-2 Antigen-Tests, welche nicht nur als Schnelltests, sondern auch für Großgeräte entwickelt werden bzw. wurden. Ferner sind wir gerade dabei, in engster Zusammenarbeit mit dem Team von Herrn Prof. Ulrich Elling (IMBA, Vienna Biocenter) eine SARS-CoV-2-Hochdurchsatztechnologie (SARSeq) für Gurgel- und Speichelproben in einem Routine-Workflow zu testen. Und: wir testen gerade verschiedene „Lutscher“-Systeme an kranken und gesunden Erwachsenen.

Was würden sie gern erforschen?

Hätte ich mehr Zeit, würde ich gerne mehr Grundlagenforschung im Kontext COVID-19 durchführen.

Laut Internet sind Sie gebürtige Oberösterreicherin aus Christkindl. – Was wünschen Sie sich vom Christkindl?

Einen 30-Stunden Tag, damit ich wieder mehr Zeit für die Familie habe. Für uns Alle wünsche ich mir eine wirksame Impfung gegen SARS-CoV-2 ohne jegliche Nebenwirkungen!