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People | 13.01.2021

Kategorie „People for tomorrow“: Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Virologin

Univ. Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer- Stöckl leitet das Zentrum für Virologie an der Medizinischen Universität Wien. Sie begleitet uns in den Medien mit sachlichen und verständlichen Informationen durch die Corona-Krise. Zu Recht wird sie oft als „Hugo Portisch der Virologie“ bezeichnet. Das Interview. (Kategoriepartner: ifms med)

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© Stefan Diesner

„Eine besonders spannende Frage ist: Warum erkranken manche Menschen so stark an COVID – und andere kaum?“  

look!:Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung im Rahmen der „Women of the Year“-Gala?

Elisabeth Puchhammer-Stöckl:Diese Auszeichnung gilt nicht nur mir, sondern allen Frauen am Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien, die sich alle seit Monaten mit höchstem persönlichem Einsatz darum bemühen die Pandemie zu begrenzen, sei es in der Diagnostik, sei es in dem Bemühen durch Forschungsprojekte das Virus besser verstehen zu lernen.  Für uns alle ist diese Auszeichnung eine große Anerkennung dieser Leistungen.

Was war seinerzeit ausschlaggebend, dass Sie sich für den Fachbereich Virologie entschieden haben?

Ich bin nach meinem Studium eher zufällig über ein Projekt an das virologische Institut gekommen. Und obwohl ich eigentlich an die Klinik wollte, fand ich nach kurzem die Virologie so interessant, dass ich geblieben bin. Viren sind unglaublich faszinierend, ganz prinzipiell, auch weil sie durch Ansteuerung der menschlichen Zellen agieren. Besonders interessant ist auch die Beziehung zwischen klinischer Virologie und Grundlagenforschung. Die ist an unserem Institut stark ausgeprägt und wir arbeiten daran, Erkenntnisse oder Methoden der virologischen Grundlagenforschung auch für die Patientenversorgung umzusetzen. Und das ist gerade auch für junge ÄrztInnen ein äußerst interessantes Fach und Forschungsgebiet.

Gibt es für Sie als Virologin etwas an SARS-CoV-2, das besonders interessant ist?

Jedes Virus ist natürlich auf spezielle Weise interessant. Was man bei SARS-CoV-2 aber so deutlich sieht, ist, dass manche Menschen so stark und manche kaum an COVID erkranken. Warum das so ist, ist für mich eine der besonders spannenden Fragen. Was in der menschlichen Immunreaktion gegen das Virus macht diesen Unterschied aus? Wie kann man eine Prognose für den Krankheitsverlauf erstellen?

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in Kürze in die nächste Pandemie schlittern? Verursacht durch SARS-CoV-3 oder ein gänzlich anderes Virus ...

Das ist durchaus möglich. Die wahrscheinlichsten Viren, die da in Frage kommen sind eben andere Coronaviren oder auch neu entstehende Influenzaviren. Also vor allem Viren, die über Tierreservoire auf den Menschen übergehen.

Denken Sie, dass es künftig häufiger Pandemien geben wird?

Das ist schwer einzuschätzen. Aber natürlich ist die hohe Reisetätigkeit ein Faktor, der die weltweite Verbreitung von Viren deutlich erleichtert.

Hatten wir Glück im Unglück, dass uns nicht ein weit gefährlicheres Virus als CoV-2 (ebenso ansteckend, aber in seiner Wirkung fataler) getroffen hat?

Im Vergleich zum rasch ausgerotteten SARS-CoV-1, an dem mehr als zehn Prozent der Infizierten gestorben sind, ist SARS-CoV-2 zum Glück deutlich weniger gefährlich. Aber auch dieses Virus hat derzeit weltweit über 1,4 Millionen Todesfälle und viele schwere Krankheitsverläufe verursacht.

Was muss sich in dieser Welt ändern, damit die Chance sinkt, dass sich künftig gefährliche neue Viren entwickeln?

Ein wichtiger Aspekt ist sicher der Umgang mit Tieren. Märkte auf denen Wildtiere (die Virusträger sein können) verkauft werden, und noch dazu unter wenig hygienischen Bedingungen, sind ein Ort an dem die Viren die Tier-Mensch-Barriere besonders leicht überwinden können, und ein großes Problem. Auch der Klimawandel trägt zur vermehrten Verbreitung von Viren bei, vor allem von Viren, die über Insekten auf den Menschen übertragen werden. Durch die Klimaerwärmung können sich Insekten – und damit auch Viren – in neue geografische Regionen ausbreiten, wie Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, mit Chikungunya-Virus-Ausbrüchen in Europa oder Zunahme von West-Nil-Virus-Infektionen in Österreich.

Wie lange wird uns CoV-2 noch begleiten?

Das Virus wird für immer bleiben. Aber wir hoffen, dass man nach einer Impfung entweder gar nicht mehr oder nur mehr milde erkrankt.

Sie werden von vielen als „Hugo Portisch“ der Virologie bezeichnet, weil sie unaufgeregt und sachlich informieren. Sie bringen komplexe Themen auf den Punkt und machen sie damit medizinischen Laien verständlich. Woher kommt diese Fähigkeit?

Das ist für WissenschaftlerInnen nichts Außergewöhnliches. Wir müssen häufig komplexe Erkenntnisse in Vorträgen verständlich präsentieren, und komplizierte Zusammenhänge für StudentInnen aufbereiten. 

Haben Sie persönlich Angst vor CoV-2?

Nach allem was ich weiß, auch über schwere Verläufe und Langzeitfolgen, bin ich sehr vorsichtig und vermeide Risikosituationen wo ich nur kann.

Einige Ihrer Sätze wie „Ich bin nirgendwo ohne meine Maske“ haben sich ins kollektive Bewusstsein eingegraben. Welchen Satz würden Sie den Menschen für die „Post-Corona-Zeit“, für die Zeit, in der wir alle geimpft sind, mit auf den Weg geben?

Ich kann da keinen Satz mitgeben. Wir freuen uns wohl alle einfach darauf uns dann von dieser schweren Zeit erholen zu können, und Freunde und Familienmitglieder aller Altersstufen wieder uneingeschränkt treffen und umarmen zu können.